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Ausführliche Info: Rechte für Fahrgäste

Wir möchten Sie über Ihre Rechte im ÖPNV informieren: Seit 2009 gibt es in Deutschland ein Fahrgastrechtegesetz, das Ihre Rechte als Bahnfahrerin/-fahrer stärkt. Dieses Gesetz knüpft an eine EU-Verordnung vom 03.12.2009 an.


Gesetz für: Bahnkunden auf innerdeutschen Fahrten im Nah- und Fernverkehr – nur für Schienenverkehrskunden, z.B. der Deutschen Bahn, Westfalenbahn, Euregiobahn, Prignitzer Eisenbahn GmbH, NordWest-Bahn.

Das Gesetz gilt auch für grenzüberschreitende Fahrten, wenn nach Internationalem Privatrecht deutsches Recht anzuwenden ist.


Inhalte:

- Anteilige Erstattung des Fahrpreises

- Möglichkeit auf andere Verkehrsmittel ausweichen zu können

- Auch die Verspätung in der sog. Reisekette wird umfasst


Für Nahverkehrskunden sind in dem Gesetz folgende Regelungen enthalten:


Anmerkung: Sie sind im Nahverkehr unterwegs, wenn Sie nicht mehr als 50 km Reiseentfernung zurücklegen oder Ihre Fahrtdauer nicht mehr als eine Stunde beträgt. Dann sind folgende Punkte für Sie von Bedeutung:


Punkt 1: Entschädigung

Bei Unpünktlichkeit von mindestens 60 Minuten oder Ausfall haben Sie gegenüber dem Schienenverkehrsunternehmen Anspruch auf eine Entschädigung – auf Wunsch in bar. Dazu im Einzelnen: Kommen Sie 60 Minuten verspätet am Zielort an, sind 25% des Fahrpreises zu erstatten. Liegt die Verspätung bei 120 Minuten, sind 50% des Fahrpreises zu erstatten.

Außerdem muss das Eisenbahnunternehmen bei einer Verspätung von mehr als 60 Minuten eine kostenlose Hotelunterkunft anbieten, wenn deshalb eine Übernachtung erforderlich wird. Zu erstatten sind die angemessenen Kosten einer Übernachtung.

Die Entschädigung muss auch bei Verspätungen innerhalb der so genannten Reisekette erfolgen. Verpassen Sie z.B. einen ICE, weil ein Regionalzug verspätet war, dann können Sie auch Ihren Anspruch geltend machen, wenn Sie deshalb 60 Minuten warten mussten.


Beispiel Reisekette: Bielefeld – Düsseldorf – Aachen


Sie möchten mit dem Zug von Bielefeld nach Aachen. Die Abfahrt in Bielefeld ist planmäßig um 11.22 Uhr und die Ankunft in Aachen 14.45 Uhr. Die Kosten für die Fahrt betragen € 52,00. Sie fahren von Bielefeld mit dem ICE nach Düsseldorf, planmäßige Ankunft 13.05 Uhr und von Düsseldorf aus um 13.22 Uhr weiter mit dem Regionalexpress nach Aachen. Hat der ICE eine Verspätung aufgrund derer Sie den Regionalexpress nicht erreichen und steht in Düsseldorf keine Reisealternative zur Verfügung, sodass Sie insgesamt bis zur Ankunft in Aachen eine Verspätung von 60 Minuten haben, können Sie Erstattung von 25% des Fahrpreises fordern, also € 13,00.


Beachte: Das Eisenbahnunternehmen haftet nicht, wenn die Verspätung durch außerhalb des Eisenbahnbetriebs liegende Umstände verursacht wird und das Eisenbahnunternehmen diese Umstände trotz der gebotenen Sorgfalt nicht vermeiden kann. D.h. das Eisenbahnunternehmen haftet nur, wenn es selbst für die Verspätung verantwortlich ist. Ein Personenunfall auf den Schienen, oder ein Lastwagen der die Schranke durchbricht, verpflichtet nicht zur Rückerstattung; wohl aber Laub auf den Schienen oder ein Oberleitungsschaden, weil dies in den Verantwortungsbereich der Eisenbahn fällt.


Tipp: Auch wenn die Eisenbahn selbst nicht für die Verspätung verantwortlich ist, kann es sich trotzdem lohnen, einen Anspruch auf Kulanzbasis geltend zu machen. Hierzu beraten wir Sie gerne. Nehmen sie zum Seispiel über unser Schlichtungsformular Kontakt mit uns auf.


Beachte außerdem: Das Eisenbahnunternehmen kann von einer Zahlung absehen, wenn der zu erstattende Betrag unter 4 EUR liegt (Bagatellgrenze).

Deshalb wird die Regelung im Nahverkehr eher selten zum Zug kommen. Die Fahrkarten im Nahverkehr sind vergleichsweise preiswert. Bei einer Verspätung von 60 Minuten kommt eine Erstattung nur in Betracht, wenn der Fahrpreis € 16,- übersteigt. Bei einer Verspätung von 120 Minuten muss der Fahrpreis mehr als € 8,- betragen, damit eine Erstattung möglich ist.


Beispiel zur Bagatellgrenze:


Sie möchten mit dem Zug von Düsseldorf nach Köln fahren. Die Fahrkarte hat € 10,50 gekostet.

  1. Kommen Sie mit 60 Minuten Verspätung in Köln an, hätten Sie einen Anspruch auf 25% des Fahrpreises, also € 2,63. Dieser Betrag wäre nicht erstattungsfähig, da er unter der Bagatellgrenze von € 4,- liegt. Aber: Bei einer Verspätung von mindestens 60 Minuten muss das Eisenbahnunternehmen Ihnen eine kostenlose angemessene Hotelunterkunft anbieten, wenn wegen der Verspätung eine Übernachtung erforderlich wird.
  2. Kommen Sie mit 120 Minuten Verspätung in Köln an, haben Sie einen Anspruch auf 50% des Fahrpreises, also € 5,25.

Punkt 2: Rücktritt vom Vertrag und Erstattung des Fahrpreises


Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, können Sie auch von einer Fahrt absehen und Rückerstattung des Fahrpreises für die nicht zurückgelegte Strecke verlangen.


Punkt 3: Verschiebung oder Veränderung der Reiseplanung


Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, können Sie auch die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt, sogar mit geänderter Streckenführung, durchführen.


Punkt 4: Verspätungen ab 20 Minuten


Ist abzusehen, dass Sie wegen einer Unpünktlichkeit oder eines Ausfalls eines Zuges im Nahverkehr mindestens 20 Minuten verspätet Ihr Ziel erreichen, können Sie einen anderen Zug nutzen, insbesondere auch einen Zug des Fernverkehrs. Entstehen dadurch Zusatzkosten, können Sie diese ersetzt verlangen. Zusatz- bzw. Anschlusstickets können Sie direkt im IC oder ICE bar oder per EC-Karte erwerben.


Voraussetzung: Für den anderen Zug darf keine umfassende Reservierungspflicht - wie beispielsweise beim City Night Line, ICE Sprinter oder Autoreisezug - bestehen oder dieser zu einer Sonderfahrt eingesetzt werden.


Außerdem: Reisende können von der Beförderung mit einem bestimmten anderen Zug ausgeschlossen werden, wenn ansonsten eine erhebliche Störung des Betriebsablaufs zu erwarten ist.


Beispiel Umstieg auf anderes Verkehrsmittel: Dortmund – Hamm (Westf.)

Sie erwerben eine Fahrkarte für den Regional-Express von Dortmund nach Hamm (Westf.). Die fahrplanmäßige Abfahrt ist um 12.17 Uhr, die fahrplanmäßige Ankunft um 12.40 Uhr. Nun erfahren Sie auf dem Bahnsteig, dass der Regional-Express erst mit einer Verspätung von 40 Minuten in Dortmund eintreffen wird. Jetzt dürfen Sie anstelle des Regional-Express den ICE von Dortmund nach Hamm (Westf.) benutzen, so dass Sie Hamm (Westf.) um 12.43 Uhr erreichen. Haben Sie hierdurch Zusatzkosten gehabt, können Sie diese ersetzt verlangen.


Punkt 5: Taxinutzung I

Fällt Ihre Zugfahrt in die Zeit zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr, können Sie bei einer Verspätung von mindestens 60 Minuten alternativ auf ein Taxi umsteigen.


Beachte: Es darf kein preisgünstigeres öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, um den Zielort zu erreichen UND der Erstattungsanspruch ist auf einen Betrag von 80,- Euro begrenzt.


Beispiel Taxinutzung: Düsseldorf – Meerbusch-Osterath

Sie möchten nach einem Opernbesuch um 00.33 Uhr mit dem Regional-Express von Düsseldorf Hauptbahnhof nach Meerbusch-Osterath fahren. Planmäßige Ankunft ist um 01.24 Uhr. Auf dem Bahnhof erfahren Sie, dass der Zug wegen eines Defekts ausfällt. Der nächste Zug fährt um 04.23 Uhr; andere öffentliche Verkehrsmittel wie z.B. eine Busverbindung gibt es nicht. Sie dürfen sofort ein Taxi nehmen und erhalten die Taxikosten bis 80,- Euro ersetzt.


Punkt 6: Taxinutzung II

Bei Ausfall des letzten fahrplanmäßigen Zuges des Tages können Sie ebenfalls auf ein Taxi umsteigen, wenn Sie Ihren Zielort ohne die Nutzung eines anderen Verkehrsmittels (z.B. Bus) nicht mehr bis 24.00 Uhr erreichen können.


Beachte: Auch hier ist der Erstattungsanspruch auf 80,- Euro begrenzt.


Beispiel Ausfall der letzten Verbindung: Schieder – Lügde

Sie wollen nach einem Besuch bei Freunden in Schieder bei Paderborn am Donnerstagabend mit der S-Bahn zurück nach Lügde bei Paderborn fahren. Auf dem Bahnhof in Schieder erfahren Sie, dass der letzte verkehrende Zug um 21.51 Uhr wegen eines Fahrwerkschadens ausfällt. Eine andere Möglichkeit, Ihren Zielort mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis um 1.00 Uhr Freitag früh zu erreichen, haben Sie nicht. Deshalb dürfen Sie sofort ein Taxi nehmen und erhalten die Kosten bis zu einem Betrag in Höhe von 80 Euro erstattet.


Noch einige wichtige Hinweise:

  • Wurden Sie vor dem Kauf des Tickets darauf hingewiesen, dass wegen einer Baustelle oder anderen Hindernissen Verspätungen zu erwarten sind, gilt ein Erstattungsanspruch nicht.
  • Lassen Sie sich Verspätungen vom Schaffner quittieren – dies erleichtert die Beweisführung gegenüber dem jeweiligen Eisenbahnunternehmen.
  • Lassen Sie sich Ihre Zusatzkosten für Taxi- oder Hotelnutzung quittieren.
  • Treten Sie bei Problemen schnellstmöglich mit dem Verkehrsunternehmen in Kontakt, um eine Nachverfolgbarkeit der Geschehnisse zu gewährleisten.
  • Wir empfehlen Ihnen, Ihre Ansprüche schnellstmöglich gegenüber dem Eisenbahnunternehmen geltend zu machen, um eine Nachverfolgbarkeit des Vorfalls zu gewährleisten.

Auswirkungen auf Kunden mit einem Abonnement:


Die Punkte 3 bis 6 gelten bei Einzelfahrkarten und Abos.


Die Punkte 1 und 2 gelten bei Abos nicht. Hierzu sieht das Gesetz keine konkrete Regelung vor.


Wenn Sie Fragen haben oder es mal Probleme gibt, wenden Sie sich gern an uns!


Schlichtungsstelle Nahverkehr

Mintropstraße 27

40215 Düsseldorf


Tel.: 0211 / 3809-380

Fax: 0211 / 3809-678

Email: info@schlichtungsstelle-nahverkehr.de