Drucken

Unfreiwillig zum "Schwarzfahrer" geworden - was tun?

Wer in Bus oder Bahn ohne gültiges Ticket auffällt, kann mit einem „erhöhten Beförderungsentgelt“ zur Kasse gebeten werden. 60 Euro beträgt die Strafe für „Schwarzfahren“ bundesweit seit dem Sommer 2015.

Wer unverschuldet ohne das richtige Ticket unterwegs war, hat gute Aussichten, ohne Strafzahlung davonzukommen.

Was Sie im Einzelnen sollten, wenn Sie unfreiwillig zum „Schwarzfahrer“ geworden sind:


Defekter Fahrkartenautomat

Wenn der einzige Fahrkartenautomat oder Entwerter an Ihrer Station defekt ist, sollten Sie von der Strafzahlung befreit werden. Um den Defekt später beweisen zu können, sollten Sie die Störung telefonisch melden und Automatennummer, Uhrzeit und genauen Standort notieren oder ein (Handy-)Foto machen. In der Bahn müssen Sie sich von sich aus an das Zugpersonal wenden.

Wenn es an der Station Verkaufsschalter oder weitere Automaten gibt, müssen Sie diese nutzen. Sie sollten also immer so früh an der Haltestelle sein, dass Sie notfalls mehrere Möglichkeiten ausprobieren können.


Aboticket vergessen

Wenn Sie Ihr Abo-Ticket vergessen haben, können Sie es nachzeigen. Dies gilt aber nur, wenn das Ticket auf Ihren Namen ausgestellt ist, also nicht übertragbar! Die Nachzeige-Frist steht auf dem Beleg, den Sie bei der Kontrolle erhalten. Übertragbare Tickets, Einzel- und Mehrfachtickets können nicht nachgezeigt werden.


Unlesbares Ticket

Kann eine Chip-Karte oder ein E-Ticket bei der Kontrolle nicht eingelesen werden, wird ebenfalls zunächst eine Strafe erhoben. Wer innerhalb der Zahlungsfrist nachweisen kann, dass sein Ticket gültig war, muss nicht zahlen. Die Bestätigung stellt das Verkehrsunternehmen aus, von dem Sie Ihr Ticket haben. Den Nachweis müssen Sie an das Unternehmen schicken, das die Strafe verlangt.

Handytickets müssen schon vor dem Einsteigen gekauft werden. Wer ein Handyticket benutzt, ist dafür verantwortlich, dass er es vorzeigen kann: Der Handy-Akku sollte geladen und das Ticket auch ohne Internetverbindung sichtbar sein.


Falscher Tarif

Auch wer eine falsche Fahrkarte hat, muss Strafe zahlen. Trotzdem sollten Sie sich an das Verkehrsunternehmen wenden, um eine Reduzierung der Strafe oder die Erstattung des falschen Tickets zu erreichen.

Wer am Bahnhof falsch beraten wurde, hat schlechte Chancen, dies nachzuweisen. Hier hilft es, wenn Sie einen Zeugen benennen oder sogar eine schriftliche Bestätigung des Mitarbeiters haben.

Erste Klasse: Auch wer in der 1. Klasse fährt, obwohl er nur ein 2. Klasse-Ticket hat, wird von den Verkehrsunternehmen als „Schwarzfahrer“ behandelt. Nachzahlen ist im Nahverkehr nicht möglich. Auch bei überfüllter Bahn darf die 1. Klasse nur nach Freigabe benutzt werden. Achten Sie auf die Beschilderung am Zug und im Abteil!


Ungültige Tickets nach Tariferhöhungen

Alte Einzel- und Mehrfachtickets, können nach einer Tarifänderung während einer Übergangszeit noch benutzt werden. Wie lange Tickets nach Inkrafttreten der Preiserhöhung noch benutzt oder umgetauscht werden können, erfährt man beim Verkehrsunternehmen. Die aktuellen Preise hängen meist an den Haltestellen oder Bahnhöfen aus.


Verhalten bei der Kontrolle

Im Nahverkehr können Tickets grundsätzlich nicht mehr beim Schaffner gekauft werden. Kontrolleure haben wenig Entscheidungsspielraum. Sie sollten den „Strafzettel“ deshalb erst einmal annehmen und die Sache anschließend mit dem Verkehrsunternehmen klären.

Außerdem gut zu wissen: Bei der Kontrolle können keine Mitfahr-Regelungen mit anderen Fahrgästen mehr vereinbart werden. Die Mitnahmemöglichkeit bestimmter Tickets gilt nur, wenn sie vor dem Einsteigen vereinbart wurde.


Einspruch!

Wenn Sie das erhöhte Beförderungsentgelt für ungerecht halten, sollten Sie sich dagegen wehren. Alle wichtigen Angaben stehen auf dem Beleg, den Sie bei der Kontrolle erhalten.

Auf dem Beleg finden Sie die Adresse, das Aktenzeichen und die Zahlungs- oder Einspruchsfrist. Wichtig: Der Kontrolltag zählt bei der Frist schon mit!


Einspruch abgelehnt?

Lehnt das Verkehrsunternehmen den Einspruch ab, können Fahrgäste ihren Fall von einer Schlichtungsstelle prüfen lassen. In Nordrhein-Westfalen übernimmt dies kostenfrei die Schlichtungsstelle Nahverkehr