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Reisen mit Handicap

Hohe Hürden zwischen Bahnsteigkante und Straßenbahn, fehlende Aufzüge zum Gleis oder aber Busse, die von Barrierefreiheit kilometerweit entfernt sind: Bei der Schlichtungsstelle Nahverkehr der Verbraucherzentrale NRW laufen nicht nur Beschwerden von Berufspendlern oder Anfragen rund um die Mobilitätsgarantie ein, sondern auch Ärgernisse von Bus- und Bahnfahrern mit Handicap. „Ein- und Umstieg bereiten Reisenden mit Rollstühlen oder Rollatoren die meisten Probleme. Vielfach klemmt es aber auch, weil konkrete Angebote und Hilfestellungen für mobilitätseingeschränkte Reisende einfach noch zu wenig bekannt sind“, stellt die Schlichtungsstelle Nahverkehr fest und gibt Tipps zur optimierten Mobilität:


Informationsangebote als Türöffner: Verkehrsunternehmen und -verbünde bieten eine Vielzahl von Services, um ihren mobilitätseingeschränkten Kunden die Route zu einer möglichst barrierefreien Reise von A nach B zu weisen. Unter www.bahn.de/barrierefrei ist eine Übersicht über alle entsprechenden Angebote der Deutschen Bahn zu finden.


Der Verkehrsverbund Rhein Ruhr bietet in seiner elektronischen Fahrplanauskunft (EFA) zu jeder Fahrtempfehlung einen Haltestellenumgebungsplan http://www.vrr.de/de/fahrten/busundbahn/auskunft/index.html. Dieser wird bei dem angeforderten Verbindungsvorschlag angezeigt und ist durch das Haltestellensymbol gekennzeichnet. Dort sind auch die genauen Positionen der Aufzüge gekennzeichnet.


Bei den Kölner Verkehrsbetrieben gibt es beispielsweise einen Liniennetzplan „Touren ohne Treppen“, der die Routenplanung erleichtert. In vielen anderen Städten weisen die Schienennetzpläne der Verkehrsunternehmen ebenfalls aus, ob die Haltestellen für Rollstuhlfahrer zugänglich sind.


Mobilitätsservicezentrale als Anlaufstelle: Die Mobilitätsservicezentrale (MSZ) der Deutschen Bahn AG bearbeitet als zentrale Anlaufstelle die Anliegen mobilitätseingeschränkter Bahnreisender. Täglich zwischen 6 und 22 Uhr unter 01805 512512 (0,09 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunknetz maximal 0,42 € pro Minute) erreichbar können über die MSZ Ein-, Um- und Ausstiegshilfen angefordert werden. Anmeldungen hierzu müssen spätestens am Vortag um 18 Uhr bzw. wenn dieser Tag auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag fällt, bis 17 Uhr (an Feiertagen bis 15 Uhr) erfolgen. Bei internationalen Fahrten und Fahrten mit dem DB-Autozug ist eine Frist von 48 Stunden einzuhalten. Darüber hinaus sind über die MSZ Fahrkarten erhältlich und Reservierungen möglich. Im Internet bietet die MSZ unter www.bahn.de/mobilitaetsservice mit Informationen zur Barrierefreiheit von Bahnhöfen und Fahrzeugen eine wichtige Einstiegshilfe.


Einsatz barrierefreier Fahrzeuge erfragen: In vielen Städten NRWs sind barrierefreie Busse und Bahnen unterwegs. Auf welchen Strecken und wann diese Fahrzeuge im Einsatz sind, kann bei den Verkehrsbetrieben erfragt werden. Oft werden die Weichen für einen besonderen Service gestellt: Wird den Mitarbeitern an der Servicehotline mindestens ein Tag im Voraus der Fahrwunsch mitgeteilt, geht nach Möglichkeit ein mit Rampe ausgestattetes Fahrzeug auf der Strecke auf Tour.


Begleitservice nutzen: Einige Verkehrsunternehmen, so zum Beispiel die Duisburger Verkehrsbetriebe, bieten einen kostenlosen Begleitservice an, wenn Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollator oder leichtem Faltrollstuhl unterwegs oder einfach nicht gut zu Fuß sind. Die Begleitung während der Fahrt mit Bussen und Bahnen der DVG umfasst auch Hilfe zum Beispiel am Ticketautomaten, im Bus und in der Bahn oder beim Ein- und Aussteigen. Mehr unter http://www.dvg-duisburg.de/service/service-fuer-menschen-mit-behinderung.html


Service für Gehörlose: Für gehörlose Reisende hat die Deutsche Bahn eine gesonderte Mailadresse (deaf-msz@deutschebahn.com) eingerichtet. Treten unterwegs Störungen auf, können hörbehinderte Reisende per SMS mit der Mobilitätszentrale während der Öffnungszeiten kommunizieren. Dazu wird eine SMS an die Rufnummer 0160 97435806 mit dem beginnenden Text #deafhelp, gefolgt von einem Leerzeichen und der Nachricht, gesendet. Weitere Informationen sind unter www.bahn.de/hoerbehindert zu finden.


Trotz aller technischen Hilfsmittel ist die umfassende und spontane Mobilität von Menschen mit Handicap noch nicht gewährleistet, so dass es immer wieder zu Situationen kommt, in denen gegenseitige Rücksichtnahme und menschliches Miteinander gebraucht wird!


Bei Problemen rund um den öffentlichen Nahverkehr hilft die Schlichtungsstelle Nahverkehr gerne weiter!